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Powerbank fürs Trekking: wie viel Strom brauchst du wirklich?
Im Sarek trug ich 18 Kilo, und ein guter Teil davon war Elektronik: eine komplette Spiegelreflexausrüstung, dazu eine Drohne. Die Bilder von der Tour sind bis heute die besten, die ich habe. Sie haben mich nur eben jeden Anstieg lang daran erinnert, dass ein Gerät zweimal wiegt. Einmal als Gerät, und einmal als Strom, den es haben will.
Man lernt auch mit den Jahren noch dazu, vielleicht sogar gerade dann, weil die Schultern ehrlicher zurückmelden als jede Packliste. Die härteste Ersparnis bleibt ohnehin die, die man daheim lässt, dazu steht mehr unter Leichter wandern ab 50. Hier geht es um den Rest: um das, was wirklich mitmuss, und um den Strom, den es braucht.
Und da wird die Frage fast immer falsch gestellt. Sie lautet nicht „welche Powerbank", sondern „wie viel Strom brauche ich überhaupt". Wer das nicht ausrechnet, trägt entweder unnötig Akku spazieren oder steht am dritten Tag mit einem toten Telefon da. Beides ist vermeidbar, und der Rechenweg ist einfacher, als die Datenblätter vermuten lassen.
mAh ist nicht die Zahl, die zählt
Auf jeder Powerbank steht eine Kapazität in Milliamperestunden, meist 10000 oder 25000. Diese Zahl beschreibt die Zellen im Inneren, und die arbeiten mit 3,7 Volt. Aus der Buchse kommen aber 5 Volt. Dazu kommen Wandlungsverluste als Wärme, im Kabel und im Ladegerät des Endgeräts.
Unterm Strich kommt von der aufgedruckten Zahl grob zwei Drittel tatsächlich im Telefon an. Aus 25000 mAh werden also eher 16000 nutzbare, aus 10000 eher 6500. Das ist kein Betrug, sondern Physik, und es steht nur selten auf der Packung.
Rechne deshalb lieber in Wattstunden, das kürzt den Ärger ab. Kapazität mal 3,7, geteilt durch 1000: Eine 25000er hat rund 92 Wattstunden, eine 10000er rund 37.
Was wirklich Strom frisst
Die Reihenfolge überrascht viele:
- Das Smartphone entscheidet alles. Heutige Geräte haben 4500 bis 5000 mAh, das sind knapp 20 Wattstunden pro voller Ladung. Alles andere im Rucksack ist dagegen Kleingeld.
- Die GPS-Uhr ist fast egal. Ihr Akku ist ein Bruchteil eines Telefonakkus, entsprechend klein ist eine Uhrenladung. Wir laden unsere Garmin Fenix 8 unterwegs mit, ohne dass es im Budget auffällt. Wer allerdings die ganze Tour mittrackt, lädt die Uhr deutlich häufiger.
- Stirnlampe, Luftpumpe, Kopfhörer tauchen im Budget kaum auf, sind aber der Grund, warum eine Powerbank mit zwei Anschlüssen praktisch ist.
Der größte Hebel ist deshalb nicht die Größe der Powerbank, sondern wie das Telefon läuft. Im Flugmodus oder Energiesparmodus hält es ein Vielfaches. Ein Gerät, das den ganzen Tag im Tal nach Netz sucht, ist der teuerste Verbraucher, den du dabei hast.
Welche mitkommt, entscheidet sich pro Tour
Wir sind meistens zu zweit unterwegs, und im Schrank liegen mehrere Powerbanks. Welche mitkommt, steht nicht ein für alle Mal fest. Wir haben ein Maximalgewicht für den Rucksack, und was Wetter und Proviant davon übrig lassen, bestimmt, wie viel Strom wir uns leisten. Die Powerbank ist damit keine Kaufentscheidung, sondern eine Packentscheidung, jedes Mal neu.
- Die kleine mit 5000 mAh passt in die Hosentasche. Sie ist fast immer dabei, im Zweifel am Körper statt im Rucksack.
- Die mittlere mit 20000 mAh ist die leichte Wahl, wenn das Gewichtsbudget knapp wird.
- Die große mit 25000 mAh ist unser Stromspeicher. Sie kommt mit, wenn Reserve da ist, vor allem auf langen Strecken wie dem Cape Wrath Trail, wo man leicht mehrere Tage keine Steckdose sieht. Beim Campen, wo Gewicht zweitrangig ist, lädt sie sogar das Notebook.
Dazu drei Gewohnheiten, die mehr bringen als jede Kaufentscheidung:
- Für ein Wochenende zu zweit reicht eine 25000er, und sie kommt mit Reserve zurück. Für vier bis fünf Tage ohne Steckdose planen wir mit etwa der doppelten Kapazität.
- Mitgeladen wird nebenbei: beide Telefone, die Garmin Fenix, bei Bedarf die elektrische Luftpumpe und eine Lampe.
- Getrackt wird nur von einem. Zu zweit dieselbe Strecke doppelt aufzuzeichnen kostet Strom und bringt keine zweite Erkenntnis.
Daraus lässt sich eine grobe Faustzahl ableiten: Rechne pro Person und Tag mit einer knappen halben Handyladung, wenn das Telefon im Flugmodus läuft und nur zum Fotografieren und für die Karte herausgeholt wird. Wer dauernd navigiert, streamt oder Netz sucht, liegt schnell beim Doppelten.
Gramm dagegenrechnen
Strom wiegt. Die Powerbank gehört zum Basisgewicht, nicht zum Proviant, denn sie kommt genauso schwer wieder nach Hause, wie sie losgezogen ist. Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen steht im Ratgeber zu Basisgewicht und Gesamtgewicht.
Wie sehr das ins Gewicht fällt, zeigt ein Blick in zwei meiner Packlisten. Auf der einen wiegt die Elektronik 649 von 6766 Gramm, also knapp ein Zehntel des ganzen Rucksacks. Auf der anderen sind es 389 von 8098 Gramm, keine fünf Prozent. Der Unterschied liegt fast vollständig an der Powerbank, die ich jeweils mitgenommen habe.
Vier Powerbanks aus meinem eigenen Schrank, nachgewogen statt abgeschrieben:
- vrurc, 20.000 mAh: 289 g, also 14,5 g je 1000 mAh
- Anker Nano, 5.000 mAh: 100 g, also 20 g je 1000 mAh
- UGreen P8562, 25.000 mAh: 549 g, also 22 g je 1000 mAh
- Trinic, 10.000 mAh: 258 g, also 25,8 g je 1000 mAh
Zwischen der sparsamsten und der verschwenderischsten liegt fast das Doppelte, und beide lagen in derselben Schublade. Genau deshalb lohnt sich die Rechnung vor dem Kauf und nicht danach.
Damit das greifbar wird: Mein Rucksack wiegt leer 570 Gramm. Die große Powerbank wiegt also fast so viel wie der Rucksack, in dem sie steckt. Wer das einmal nebeneinandergelegt hat, schaut anders auf Datenblätter.
Die schwerste ist bei mir trotzdem kein Fehlkauf, sondern eine Entscheidung: 165 Watt Ladeleistung und zwei fest verbaute Kabel brauchen Elektronik und Gehäuse. Für uns sprechen die Kabel dafür, weil unterwegs so nichts fehlen oder verlorengehen kann. Ob einem das die Gramm wert ist, entscheidet jeder selbst, und ich würde niemandem widersprechen, der hier anders rechnet.
Woher das Gewicht kommt
Warum wiegt eine Powerbank überhaupt so viel, und warum lässt sich daran so wenig ändern? Weil der größte Teil des Gewichts nicht Technik ist, sondern Chemie.
In fast jeder Powerbank stecken Lithium-Ionen-Zellen, und die speichern eine ziemlich feste Menge Energie pro Gramm. Gute Zellen liegen heute bei etwa 200 bis 260 Wattstunden je Kilogramm. Das ist eine physikalische Grenze, die kein Hersteller wegkonstruieren kann.
Rechne es für eine 25000er durch: 92 Wattstunden, geteilt durch 200 bis 260 Wh je Kilogramm, ergibt rund 350 bis 460 Gramm allein an Zellen. Bei meiner 549 Gramm schweren Bank bleiben also grob 100 bis 200 Gramm für alles andere: Gehäuse, Platine, Display, Anschlüsse, die zwei fest verbauten Kabel und die kräftigere Elektronik, die 165 Watt erst möglich macht.
Daraus folgen zwei Dinge.
Leicht kaufen kann man sich nicht. Zwei Powerbanks mit derselben echten Kapazität unterscheiden sich im Zellgewicht kaum. Gespart wird an der Hülle, nicht am Inhalt, und dort ist schnell Schluss. Wer deutlich leichter unterwegs sein will, muss weniger Kapazität einpacken, nicht die klügere Bank suchen.
Und dieselbe Rechnung entlarvt geschönte Angaben. Wenn eine Bank angeblich 20000 mAh hat und komplett nur 289 Gramm wiegt, müssten die Zellen allein schon fast so viel wiegen wie das ganze Gerät. Das geht sich nicht aus. Entweder stecken darin Zellen an der absoluten Obergrenze des technisch Machbaren, oder die aufgedruckte Zahl ist großzügig gerechnet. Bei einer günstigen Marke ohne Ruf ist die zweite Erklärung die wahrscheinlichere. Wer es genau wissen will, misst mit einem USB-Messgerät nach, was tatsächlich herauskommt. Meine sparsamste Bank ist zugleich die, bei der ich das als Erstes tun würde.
Die eigentliche Lehre: Größer ist nicht automatisch effizienter, und teurer schon gar nicht leichter. Rechne vor dem Kauf Gramm je 1000 mAh aus, statt nur auf die Kapazität zu schauen. Bei einer 25000er liegen zwischen der leichtesten und der schwersten Bauart gut 150 Gramm, und die trägst du jeden Tag mit.
Wenn unterwegs eine Steckdose steht
Auf Hüttentouren ändert sich die Rechnung. Wer weiß, dass er alle zwei Tage an Strom kommt, braucht keine Reserve für die ganze Tour, sondern nur bis zur nächsten Steckdose. Dann reicht oft eine Bank statt zwei.
Ich nehme dafür ein Anker PowerPort III mit 65 W mit, 125 Gramm für drei Anschlüsse. Ein einziges Ladegerät für Powerbank, beide Telefone und die Uhr, denn auf Hütten sind Steckdosen knapp und meist umlagert. Ein Mehrfach-Ladegerät ist dort mehr wert als ein schnelleres. Wer noch leichter unterwegs sein will, kommt mit einem 30-Watt-Netzteil aus: zwei Anschlüsse, 67 Gramm, und über Nacht lädt das allemal genug.
Zwei Dinge, die auf keiner Packung stehen
Die 100-Wattstunden-Grenze im Flugzeug. Powerbanks über 100 Wh dürfen ohne Genehmigung der Fluggesellschaft nicht mit. Eine 25000er liegt bei rund 92 Wh und damit knapp darunter, eine 30000er reißt die Grenze. Wer fliegend anreist, sollte das vor dem Kauf wissen und nicht am Schalter.
Fest verbaute Kabel kosten Gramm und sparen Ärger. Unsere UGreen hat zwei davon, und sie sind ein Teil ihres Mehrgewichts. Dafür gibt es kein separates Kabel einzupacken, keines zu verlieren und keines zu vergessen. Wer ohnehin dazu neigt, Kleinkram zu suchen, bekommt hier einen Anschluss, der immer da ist.
Der Rechenweg in drei Schritten
- Verbrauch schätzen. Wie viele Handyladungen pro Person und Tag, realistisch und nicht optimistisch? Im Flugmodus eine knappe halbe, sonst mehr.
- Puffer festlegen. Ein Tag Reserve genügt meistens. Zwei, wenn niemand weiß, wann es die nächste Steckdose gibt.
- In Gramm umrechnen. Summe in Wattstunden, geteilt durch zwei Drittel Nutzbarkeit, dann die passende Bank nach Gramm je 1000 mAh auswählen.
Wer das nicht im Kopf machen will: In der App steckt dafür ein Strombedarfs-Rechner. Du trägst deine Geräte und deine Powerbanks ein, er sagt dir, wie viele Tage der Vorrat trägt, was fehlt und wie viel Gramm je 1000 mAh du mitschleppst. Er zeigt außerdem, welches Gerät den Strom tatsächlich verbraucht, und das ist meist eine Überraschung. Am genauesten wird er, wenn deine Elektronik in der Ausrüstung steht, denn dann rechnet er mit deinen Zahlen statt mit meinen.
Wer so rechnet, kommt fast immer mit weniger Akku aus, als im Laden empfohlen wird. Und er weiß am dritten Abend, ob er das Telefon noch anschalten darf oder nicht.
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